Ausstellung "afterglow": Der Arbeit von Esther Hunziker (*1969, Menziken) und Victoria Holdt (*1992, Uster) gemein ist die Faszination für Gegensätze und die dadurch erzeugte Spannung.
Der Arbeit von Esther Hunziker (*1969, Menziken) und Victoria Holdt (*1992, Uster) gemein ist die Faszination für Gegensätze und die dadurch erzeugte Spannung. Sind es bei Hunziker Polaritäten wie Konstruktion und Dekonstruktion, Rauschen und Stille, Ordnung und ihr Zusammenbruch, so lebt auch Victoria Holdts Schaffen von Ambivalenzen wie Sicherheit und Verletzlichkeit, Vertrautheit und Unheimlichem, Intimität und Entfremdung. Die beiden eigenständigen Arbeiten, die im Zimmermannhaus zu sehen sind, erzeugen wiederum ein Spannungsverhältnis, indem sie die Thematik der Polaritäten mit unterschiedlichen Medien verhandeln. Während Hunziker sich zwischen menschlicher Intention und maschineller Kreativität bewegt und eine Galerie fiktionaler Videoportraits präsentiert, erschafft Holdt durch Video, Skulptur und Klang eine immersive Installation, die in ambigue Atmosphären eintauchen lässt. Für das Zimmermannhaus entwickelt Esther Hunziker eine raumspezifische Installation, die sich mit den Spannungsfeldern zwischen menschlicher und maschineller Präsenz auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich in einer digitalisierten Gesellschaft neue Formen von Subjektivität und Bildlichkeit herausbilden. Man begegnet imaginären Menschen mit seltsamen Wesen, einer rationalen Maschine, sowie digitalen Mikrostrukturen von unklarer Herkunft. Gemeinsam entwerfen sie eine visuelle Konstellation, die das Nebeneinander von Menschlichem und Künstlichem, von spekulativen Identitäten und repetitiven Automatismen sichtbar macht. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen KI-generierte Videoportraits von Menschen, die mit hybriden, nicht-menschlichen Wesen posieren. Die Porträts wirken fremd und zugleich vertraut. Die dargestellten Personen existieren nicht, und doch erzählen ihre gezeichneten Gesichter von einem gelebten, ungelebten Leben. Sie sind Artefakte einer maschinellen Imagination und eröffnen eine spekulative Form der Subjektivität. Im Ausstellungsraum selbst, bewegt sich ein autonomer Staubsauger monoton und repetitiv durch den Raum, sein mechanisches Geräusch erfüllt die Installation. Diese Maschine – die nichts anderes tut, als ihrem einfachen Programm zu folgen – wird zu einem absurden Gegenbild der KI-Porträts. Während die Gesichter emotionale Tiefe und komplexe Identitäten suggerieren, verkörpert der Staubsauger pure Funktionalität, Wiederholung und Leere. Eine Animation, die an mikroskopische, biologische Entitäten erinnert, ergänzt die Installation. Inspiriert vom Begriff des Ektoplasmas im Spiritismus – einer Substanz, die Geistermaterialisation ermöglichen sollte – visualisiert die Arbeit das Unfassbare digitaler Präsenz. Victoria Holdt setzt sich in ihrer Arbeit mit dem Phänomen der «Irrlichter» auseinander. Geheimnisvolle Lichter, die in Sümpfen und Mooren erscheinen und in der Folklore oft mit Geistern verstorbener Menschen oder Tieren in Verbindung gebracht werden. Sie gelten als trügerisch, da sie Wanderer in gefährliche Bereiche locken können. Die Wissenschaft hingegen erklärt dieses Phänomen als chemische Reaktionen in verrottendem organischem Material, das in den Mooren zu Licht transformiert wird. Mit ihrer Rauminstallation taucht Holdt in die Welt des Moors und seiner geheimnisvollen Phänomene ein. Es entstehen keramische Skulpturen, ergänzt durch Elemente aus Hautleim und Licht. Gemeinsam verweben sie sich zu einer Szenerie, die an eine postapokalyptische Landschaft erinnert. Eine in Zusammenarbeit mit Thalles Piaget entwickelte Klangkulisse, inspiriert von einem schwedischen Wiegenlied ergänzt die Rauminstallation. Die fragile, träumerische Landschaft zeigt Keramikskulpturen inspiriert von Moorlandschaften. Sie wachsen darin wie überdimensionale Pflanzenkörper, geben den Stimmen aus den Sümpfen Gestalt. Organisch und abstrakt, zart und robust, vertraut und fremd erscheinen sie. Zwischen den Keramiken entstehen Elemente aus Hautleim: Fasziniert von der Ambivalenz dieser Materialität, die sich in Ekel und Anziehung, Wertschätzung und Skepsis äussern. Lichtskultpuren entstehen als freie, schwunghafte Linien, die Bewegung andeuten und das flüchtige Leuchten von Irrlichtern verkörpern. VERANSTALTUNGEN Einblick in den Ausstellungsaufbau Donnerstag, 8. Januar 2026, 18–20 Uhr Vernissage Freitag, 16. Januar 2026, 19 Uhr Screening mit anschliessendem Apéro Sonntag, 25. Januar 2026, 17 Uhr Ort: Odeon Brugg Künstlerinnen vor Ort Wortwechsel Donnerstag, 5. Februar 2026, 19 Uhr Die Künstlerinnen im Gespräch mit der Kunstwissenschaftlerin Isabel Zürcher Kunst über Mittag Donnerstag, 5. März 2026, 12 Uhr Rundgang, 12.15 Uhr Zmittag Unkostenbeitrag sfr. 15, beschränkte Platzzahl Anmeldung bis 4. März unter info@zimmermannhaus.ch Mit Andrea Gsell und Maria Bänziger, Co-Leitung Zimmermannhaus Finissage Sonntag, 15. März 2026, 14–16 Uhr Künstlerinnen vor Ort
Daten / Zeiten
Sa, 17. Jan 2026 —So, 15. Mär 2026Mittwoch – Sonntag
Einblick in den Ausstellungsaufbau Donnerstag, 8. Januar 2026, 18–20 Uhr Vernissage Freitag, 16. Januar 2026, 19 Uhr Screening mit anschliessendem Apéro Sonntag, 25. Januar 2026, 17 Uhr Ort: Odeon Brugg Künstlerinnen vor Ort Wortwechsel Donnerstag, 5. Februar 2026, 19 Uhr Die Künstlerinnen im Gespräch mit der Kunstwissenschaftlerin Isabel Zürcher Kunst über Mittag Donnerstag, 5. März 2026, 12 Uhr Rundgang, 12.15 Uhr Zmittag Unkostenbeitrag sfr. 15, beschränkte Platzzahl Anmeldung bis 4. März unter info
Kosten / Tickets
EINTRITT FREI